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Euro-Office: Eine europäische Alternative – mit offenen Fragen
Am 27. März 2026 haben Nextcloud und IONOS zusammen mit sechs weiteren europäischen Unternehmen in Berlin Euro-Office lanciert. Das Ziel: eine Office-Suite unter vollständig europäischer Kontrolle.
Was Euro-Office technisch leistet
Euro-Office basiert auf einem Fork von ONLYOFFICE und unterstützt Microsoft-Formate. Konkret: .docx, .xlsx und .pptx lassen sich öffnen, bearbeiten und speichern – ohne Konvertierungsverluste. Kollaboration in Echtzeit ist ebenfalls vorgesehen. Eine Tech-Preview steht auf GitHub bereit. Die stabile Version soll im Sommer 2026 folgen. Wer jetzt plant: Entwicklung beobachten ja – migrieren noch nicht.
Warum jetzt – und warum vor allem wegen Microsoft
Der Auslöser ist kein Software-Problem, sondern ein amerikanisches Gesetz. Der US CLOUD Act erlaubt amerikanischen Behörden den Zugriff auf Daten in der Microsoft Cloud – unabhängig davon, wo die Server stehen. Für europäische Behörden, NGOs und staatliche Betriebe ist das ein konkretes Datenschutzproblem.
Als technische Basis fiel die Wahl auf ONLYOFFICE. Der Grund ist pragmatisch: Kein anderes Open-Source-Paket verarbeitet Microsoft-Formate so zuverlässig. ONLYOFFICE bringt jedoch ein eigenes Risiko mit. Die Software stammt von einer Firma mit russischer Muttergesellschaft in Nischni Nowgorod. Die Universität Mainz hat im Mai 2023 die kommerzielle ONLYOFFICE-Lizenz aufgegeben – ausdrücklich wegen der EU-Sanktionen gegen Russland.
Kurz nach dem Euro-Office-Launch hat ONLYOFFICE einen Lizenzstreit angestossen. Der Vorwurf: Euro-Office verletze die Lizenzbedingungen des ursprünglichen Codes. Heise Online berichtet darüber, das ONLYOFFICE-Statement ist öffentlich zugänglich. Eine abschliessende Klärung steht noch aus – eine Frage, die sich vor einer Migration beantworten sollte.
Unser Fazit
Die Richtung stimmt. Europa braucht Office-Software ohne russische oder amerikanische Abhängigkeiten. Euro-Office adressiert das direkt – mit konkreten Partnern, öffentlichem Code und einem realistischen Zeitplan. Ob die Umsetzung hält, was die Initiative verspricht, werden wir im Sommer sehen. Dann schauen wir uns die stabile Version an und melden uns mit einer Einschätzung.