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You­tube Wer­bung in der Pra­xis – Erfah­run­gen und Tipps

Seit gut drei Jah­ren tes­ten wir You­tube Wer­bung nun als Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ka­nal für ver­schie­de­ne Kun­den. Zeit für ein ers­tes Resu­mee – am Bei­spiel der Win­ter­kam­pa­gne für Lenk-Sim­men­tal Tourismus. 

Als Kom­mu­ni­ka­ti­ons­agen­tur mit gros­ser Affi­ni­tät zu Bewegt­bild sind wir an allen Ent­wick­lun­gen inter­es­siert, die Bewegt­bild in der Mar­ken- und Mar­ke­ting­kom­mu­ni­ka­ti­on mög­lich und prak­tisch ein­setz­bar machen. You­tube Wer­bung kommt dabei dem klas­si­schen TV-Spot am nächs­ten. Gut seg­men­tier­te Ziel­grup­pen (sowohl demo­gra­fisch wie auch geo­gra­fisch und inter­es­sen­ba­siert) kön­nen gezielt mit mass­ge­schnei­der­ten Inhal­ten ange­spro­chen wer­den. Das ist Con­tent-Mar­ke­ting vom Feins­ten. Damit wird You­tube Wer­bung auch zu wirk­sa­men Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­teln für die Mar­ken­po­si­tio­nie­rung und Markenführung.

Anhand der Win­ter­kam­pa­gne der Desti­na­ti­on Lenk-Sim­men­tal zei­ge ich im Fol­gen­den eini­ge Erfah­run­gen auf, die wir in den letz­ten Jah­ren mit You­tube Wer­bung gesam­melt haben.

Die Kam­pa­gne für Lenk-Simmental

Die Win­ter­kam­pa­gne von Lenk-Sim­men­tal Tou­ris­mus ist auf You­tube Wer­bung, respek­ti­ve dem Goog­le Adwords Netz­werk, kon­zen­triert. Die Zie­le sind Mar­ken­bil­dung und die Stei­ge­rung der Wahr­neh­mung in den Ziel­märk­ten. Durch die Kon­zen­tra­ti­on auf die­sen einen Kanal kön­nen wir davon aus­ge­hen, dass die Ergeb­nis­se mit gros­ser Wahr­schein­lich­keit aus die­sem Kanal kom­men. Vor­an­ge­gan­gen ist – im Rah­men der Ent­wick­lung der neu­en Web­site – ein inten­si­ver Pro­zess der Mar­ken­po­si­tio­nie­rung. Das Ziel ist es, die Mar­ke in den Schwei­zer Märk­ten (Mit­tel­land, Frei­burg und Basel) authen­tisch zu positionieren.

You­tube Wer­bung als Brand-Booster

Basie­rend auf den Mar­ken­wer­ten und der ange­streb­ten Posi­tio­nie­rung haben wir Geschich­ten gesucht, die die Mar­ke ver­sinn­bild­li­chen, also als Bild­nis­se funk­tio­nie­ren. Die Fil­me der Win­ter­kam­pa­gne bli­cken dafür teil­wei­se hin­ter die Kulis­sen und erzäh­len die Geschich­ten, die man sonst nicht unbe­dingt zu hören kriegt. Wer weiss schon, dass an der Lenk die Pis­ten wirk­lich jede Nacht kom­plett neu prä­pa­riert wer­den und wie vie­le Maschi­nen es dafür braucht? Oder, dass es auch an der Lenk eine klei­ne Bier­braue­rei gibt, die man erst noch besich­ti­gen kann?

Erfah­rung mit (die­sen) Youtube-Kampagnen

Natür­lich sind auch wir mit You­tube Wer­bung noch am Expe­ri­men­tie­ren und das Nut­zer­ver­hal­ten ändert sich nach wie vor, aber nach eini­gen Kam­pa­gnen kön­nen wir ers­te Erfah­run­gen festhalten.

You­tube Wer­bung: der Inhalt zählt und kostet

Ent­schei­dend für You­tube Wer­bung ist, dass die Inhal­te inter­es­sant und attrak­tiv auf­be­rei­tet sind – das ist ja wohl klar. Dar­aus ergibt sich aber zuwei­len ein schwie­ri­ger Spa­gat. Dann näm­lich, wenn sich zeigt, dass die bis­her vom Mar­ke­ting gepush­ten The­men wenig Poten­ti­al für Con­tent-Mar­ke­ting auf­wei­sen – nicht, dass dies im kon­kre­ten Bei­spiel der Fall gewe­sen wäre. Guten Con­tent zu pro­du­zie­ren ist auf­wän­dig – auf­wän­di­ger als vie­le gän­gi­ge TV-Spots. Nicht nur, dass die Geschich­ten erst mal gefun­den wer­den müs­sen, sie müs­sen auch recher­chiert und mit Wis­sen hin­ter­füt­tert sein. Je spe­zi­fi­scher die Ziel­grup­pe ist, des­to tie­fer muss man sich in die Mate­rie ver­tie­fen, damit das Ergeb­nis nicht ober­fläch­lich – und damit kon­tra­pro­duk­tiv – wird. Nichts ist pein­li­cher als dün­ne Anbie­de­rung an die Ziel­grup­pe, die man vor­gibt ernst zu nehmen.

Die Län­ge spielt eine ent­schei­den­de Rolle

Die Län­ge der Fil­me ist ent­schei­dend. Ent­ge­gen der all­ge­mei­nen Ver­mu­tung ist kür­zer nicht bes­ser – im Gegen­teil. Kur­ze Vide­os (Trai­ler, Teaser), die nur bezwe­cken, den Benut­zer zum Kli­cken zu brin­gen, funk­tio­nie­ren eher schlech­ter als Fil­me in vol­ler Län­ge. Sowohl die Klick­ra­te (CTR), als auch die Auf­ruf­ra­te ist bei den lan­gen Fil­men bes­ser als bei den kur­zen. Dass das so ist, ist eigent­lich logisch und wird trotz­dem immer wie­der falsch interpretiert.

Die Auf­ruf­ra­te soll­te eigent­lich «Lass­lau­fen-Rate» heis­sen. Schliess­lich wird der Film in den meis­ten Fäl­len (99%) nicht bewusst auf­ge­ru­fen, son­dern vor einem ande­ren Film auto­ma­tisch ein­ge­spielt. Nach fünf Sekun­den kann man dann ent­schei­den, ob man ihn lau­fen lässt oder mit einem Klick zum eigent­lich ange­klick­ten Film springt. Kur­ze Fil­me müs­sen mehr Info in die kur­ze Zeit packen, dadurch wer­den sie zu Wer­be­spots (wenn nicht für die Mar­ke, dann für den erhoff­ten Klick auf den Wer­be­link). Dar­auf reagie­ren die Kon­su­men­ten offen­bar schlecht. Sie kön­nen sich dann nur für zwei Aktio­nen ent­schei­den, die bei­de gleich viel Auf­wand bedeu­ten: Kli­cken auf den Link im Wer­be­vi­deo oder kli­cken auf den Link, um die Wer­bung zu über­sprin­gen. Bei­des Links sind nur Zen­ti­me­ter von­ein­an­der ent­fernt. Da klickt man eher auf den Link, der einen zum eigent­lich gewünsch­ten Film bringt, als die geöff­ne­te Sei­te zu verlassen.

Die Zuschau­er packen und immer wei­ter einwickeln

Län­ge­re Fil­me – wenn sie gut gemacht sind – packen den Zuschau­er und «ent­wi­ckeln» mög­lichst schnell eine Bin­dung, die den Zuschau­er dazu bewegt – NICHTS zu tun. Nicht kli­cken, nicht ent­schei­den, ein­fach den schö­nen Bil­dern und der sich ent­wi­ckeln­den Geschich­te zuschau­en. Das ent­spricht in vie­len Fäl­len dem, was der You­tube-Kon­su­ment will. Ohne Auf­wand unter­hal­ten wer­den, ein The­ma ken­nen ler­nen, zurück­le­hen und kon­su­mie­ren. Dazu braucht es das Hand­werk des Fil­me­ma­chens. Prot­ago­nis­ten eta­blie­ren, Iden­ti­fi­ka­ti­on her­stel­len, eine Mis­si­on auf­zei­gen, Hin­der­nis­se über­win­den und schliess­lich (über mehr oder weni­ger ein­fa­che Wege) das Ziel errei­chen. Das ist nichts ande­res als klas­si­sche Dra­ma­tur­gie. Die funk­tio­niert auch mit Pro­dukt­vor­stel­lun­gen, Busi­ness-Pit­ches und Markengeschichten.

Mit der Kam­pa­ge von Lenk-Sim­men­tal haben wir genau das getes­tet. Pro Geschich­te gibt es jeweils zwei Ver­sio­nen. Die Kurz­ver­si­on (Trai­ler), die im wesent­li­chen nur die bes­ten Bil­der der Films ent­hält und dazu auf­for­dert, den gan­zen Film und mehr auf der Web­site anzuschauen.

Dann die Lang­ver­si­on, die dra­ma­tur­gisch auf­ge­baut wird und die gan­ze Geschich­te erzählt.

Mit den lan­gen Fil­men der Lenk-Sim­men­tal-Kam­pa­gne errei­chen wir Auf­ruf­ra­ten von mehr als 20%. Das heisst 20% der Zuschau­er kli­cken nach den ers­ten 5 Sekun­den nicht weg und sehen sich den Film min­des­tens 30 Sekun­den oder län­ger (bewusst) an. Die durch­schnitt­li­che Ver­weil­dau­er ent­spricht rund 75% des Films. Mutig geschätzt kön­nen wir davon aus­ge­hen, dass rund jeder zwei­te den Film kom­plett anschaut.

Die Kurz­ver­si­on hat ver­gleichts­wei­se schlech­te Zah­len. Die Auf­ruf­ra­ten sind schlech­ter, aber viel inter­es­san­ter ist, dass auch die Klick­zah­len wesent­lich schlech­ter sind (0.6% zu 1%).

Über­zeu­gung bringt Klicks

Ich erklä­re mir das so, dass durch den län­ge­ren Film zwei Din­ge passieren:

  • Die Sym­pa­thie und das Inter­es­se für die Mar­ke steigt. Wenn der Film emo­tio­nal gut war, gibt es viel­leicht hin­ter dem Link noch mehr sol­chen Con­tent, den man ger­ne sehen würde.
  • Das eigent­li­che Ziel (den ursprüng­lich gewünsch­ten Film zu sehen) ist durch die lan­ge Beschäf­ti­gung mit dem neu­en The­ma in den Hin­ter­grund gerückt und das Inter­es­se für das eige­ne The­ma konn­te gewon­nen werden.

You­tube als PR-Instrument

Zu Beginn des Win­ters haben wir als Start der Win­ter­kam­pa­gne den Pis­ten-Jürg «erfun­den». Mit dem «ehr­lichs­ten Pis­ten­be­richt der Welt» kommt Pis­ten­chef Jürg ein­mal pro Woche per Sky­pe in die You­tube-Stu­be und erzählt was er gera­de tut und wie die Pis­ten fürs Wochen­en­de sein werden.

Die authe­nit­sche Art und die unge­küns­tel­te Spra­che posi­tio­nie­ren die Mar­ke genau dort, wo wir sie haben möch­ten. Schnell ist Pis­ten-Jürg zu einer Bekannt­heit in der You­tube-Welt gewor­den und ein biss­chen auch dar­über hin­aus. Medi­en­schaf­fen­de lech­zen gera­de­zu nach Figu­ren, die Cha­rak­ter haben und vor der Kame­ra nicht ein­ge­hen wie Zim­mer­pflan­zen im Win­ter auf dem Bal­kon. In zwei Mona­ten hat Pis­ten-Jürg eini­ge Medi­en­auf­trit­te gehabt. Von SRF über Joiz bis hin zum Jux-Tele­fon auf Radio 32. Medi­en­kom­pe­tenz zieht Medi­en an.

Das Thumb­nail ist das neue Plakat

Das Platz­hal­ter­bild auf You­tube ist ent­schei­dend. Noch immer agie­ren selbst gros­se Mar­ken auf You­tube mit mehr oder weni­ger zufäl­lig gene­rier­ten Thumb­nails. Das sieht nicht nur im eige­nen Kanal unschön aus, das scha­det auch dem Erfolg. Min­des­tens einer der Links aus der You­tube-Kam­pa­gne soll­te natür­lich zum eige­nen You­tube-Kanal füh­ren. Und dort gillt es dann, das fri­sche Inter­es­se mög­lichst lan­ge mit Con­tent zu sät­ti­gen. Mit zufäl­lig genie­rier­ten Thumb­nails ist das uner­freu­lich. Schliess­lich zählt das Bild mehr als der klei­ne Titel unter dem Bild. 195 x 118 Pixel klein sind die klei­nen Thumb­nails – da braucht es gute Gra­fik, um jeden Film anhand des Bil­des iden­ti­fi­zier­bar zu machen und Lust zum Drauf­kli­cken zu wecken.